Stuckenborstel und Everinghausen

Adeliges Gut in StuckenborstelStuckenborstel wurde im 13. Jhd. Stutenburstolt genannt. Das Bindewort ist Mittelniederdeutsch ,,stuke" für Baumstumpf. Das Grundwort ,,borstel" ist zusammengesetzt aus den mittelniederdeutschen Wörtern ,,bur" nach ,,einräumiges Gebäude" und ,,stal" nach ,,Ort, Stelle". So läßt sich die Bedeutung dieser Wortfügung mit Wohnplatz, Ansiedlungsstelle oder Einzelhof beschreiben. Der Grundwortstamm heutiger "Borstel-Orte" läßt auf die Entstehung aus einer Hausstelle schließen. Die Ländereien
,,Stuckenborstel, einst Gut der von der Helle und der Clüver"14 waren ab 1573 Clüversches Gut. Das heute noch stehende Herrenhaus wurde im Jahre 1631 von B. Clüver erbaut. Alle Ländereien in und um Stuckenborstel gehörten zum Adeligen Gut Stuckenborstel. So auch die Ländereien um Everinghausen. Die Dorfschaft bildeten 1691 zwei Halbhöfner und ein Brinkkötner Die Gutsherrenschaft über die Höfnereien hatten die Clüver zu dieser Zeit an einen Bremer Kaufmann abgegeben. ,,Wege und Stege unterhält Everinghauß zwarten keine öffentliche, ohne nur den Dorf Kirchweg nach Sottrum." Zum Teil als heutiger ,,Everinghauser Kirchweg" entlang dem Gewerbegebiet ,,Barkhof" noch wieder auffindbar. Die erste Schule Sottrums ist der Gutsherrin Göste von Clüver zu verdanken, die sie 1618 stiftete. Die Clüver übernahmen auch das Patronat für die Schule und die Kirche in Sottrum. Das Gut Stuckenborstel war seit 1696 im Besitz der Erben des Oberstleutnants Hans Christoph von Ziegensar mit Christoph Dietrich von Ziegensar, ein Fünftel davon in Hand einer Schwester, die mit dem Rittmeister Gerhard Peter Buttelmann verheiratet war. Die vier Fünftel wurden nach dem Tode C. 0. v. Ziegensar (1728) an den Obersten Caspar Cornelius von Linstow verkauft. Dessen Witwe vermachte das Gut an den Sohn ihrer Schwester, Daniel von Greiffencrantz aus Campe. Um 1732 waren 6 Kötner auf dem Gutshof bemeiert. Beim Verkauf von Flächen an die Kötner veräußerte der Gutsherr nur Heidland und feuchte Wiesen. Noch heute liegen die Kötnerwiesen nördlich der B 75 in Richtung Ottersberg nebeneinander, ebenso die Wiesen am Schnepfenbruchsweg. Eine Verkoppelung hat in Stuckenborstel nie stattgefunden.

Die Wassermühle in StuckenborstelBis in das Jahr 1790 gehörte die hiesige Wassermühle zum "Adeligen Gute Stuckenborstel". Eigentümer der Mühle und Nutzung der Kraft des Wiestewassers, der zusätzlichen Dampfmaschine ab 1866 und der Elektrizität ab 1920 wechselten im Laufe der folgenden 200 Jahre, bis 1950 der Mühlenbetrieb aufgegeben wurde. Im Jahre 1989 kaufte die Gemeinde das Mühlengebäude. Am 26.3.1991 gründete sich der Förderverein Wassermühle Stuckenborstel.
Der Einfluß der Gutsbesitzer von Stuckenborstel reicht auch in die Sottrumer Kirchengeschichte. 1737 mußte die Sottrumer Kirche abgerissen werden. Der vermutlich aus dem 15./16. Jhd. stammende Kirchturm blieb stehen. Die öffentliche Einweihungsfeier des neu errichteten Gebäudes fand am 2.2.1740 statt. Für den Neubau der Sottrumer
St. Georgs-Kirche spendete der damalige Besitzer vom Gut Stuckenborstel Caspar Cornelius von Linstrow einen größeren Betrag. Seine Ruhestätte fand er 1735 in der Kirche. Erbherr zu Stuckenborstel Daniel von Greiffencrantz spendete unter anderem die Kirchenglocke im Jahre 1750.

Glockenturm von Stuckenborstel1801 besetzten die Preußen das Hannoveraner Land. Zwei Jahre später kamen Napoleons Truppen nach Sottrum. 1806 trat Napoleon jedoch Hannover wieder an Preußen ab. 1809 begann der streckenweise Bau der sogenannten "Napoleonstraße" von Wesel über Bremen und Hamburg nach Lübeck. Viele junge Leute aus dem Kirchspiel Sottrum wurden für Napoleons Armee zwangsrekrutiert. 1812 marschierten sie in Rußland ein.
Von 1811 bis 1814 gehörte die hiesige Region direkt zu Frankreich, die Bewohner galten nun als "Franzosen". Durch die Befreiungskriege (1813-1815) kam die Region wieder an das seit 1814 zum Königreich avancierte Hannover zurück. Aus der Zeit der Befreiungskriege stammen die Notizen von der Pfarrerstochter Mathilde Peßler die nachzulesen sind im Buch: ,,Das Pfarrhaus zu Sottrum". Im Krieg zwischen Preußen und Österreich stellte sich das Königreich auf die Seite Österreichs. Doch am 3. Oktober 1866 kam es zur Annexion und zur Auflösung des Königreichs Hannover durch Preußen. Nun waren die hiesigen Einwohner nicht mehr Hannoveraner unter den Welfen, sondern Preußen.
Die bisherigen Ämter wurden von der preußischen Regierung in Kreise umbenannt und vergrößert.
Das 19. Jahrhundert brachte große Umbrüche mit sich, die alle Bereiche des Lebens berührten.

Dünenlandschaft in EveringhausenFür die hiesige Region waren die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Bremen Hamburg und die Einweihung des Sottrumer Bahnhofs vor 120 Jahren große Ereignisse. 1877 wurde in Sottrum eine Postagentur eingerichtet, die 1913 in ein neu errichtetes Amtsgebäude umzog. Am 20. Februar 1899 wurde die genossenschaftliche Molkerei ins Leben gerufen.
1902 wurde die Spar- und Darlehnskasse gegründet.
Im 1. Weltkrieg ließen 34 Männer aus Groß-Sottrum und 14 aus Klein-Sottrum ihr Leben. In den Nachkriegsjahren hatten die Menschen mit Inflation und Wirtschaftskrise zu kämpfen; ein Aufschwung zeichnete sich erst nach Einführung der Rentenmark ab. Durch einen Ministerialerlaß konnten am 1.1.1929 Groß- und Klein-Sottrum zur Gemeinde Sottrum zusammengelegt werden.

Als 1936 die erste deutsche Autobahn, die sogenannte "Hansalinie" gebaut wurde, erhielt auch Stuckenborstel eine Autobahn-Auffahrt.
1939 brach der 2.Weltkrieg aus. 1944 mußten in Sottrum zunächst Evakuierte aus Hamburg, später Flamen und Holländer in der Turnhalle und in der Schule untergebracht werden. Durch die Ostflüchtlinge, die 1945 kamen, stieg die Einwohnerzahl hier sprunghaft an.